Soroban - Geschichte des japanischen Abakus

SOROBAN - GESCHICHTLICHES

Der Abakus (lat. abacus, griechisch ábax, ábakos, die Tafel, das Brett) ist eines der ältesten bekannten Rechenhilfsmittel und vermutlich bereits seit Jahrtausenden im Gebrauch. Das Wort Abakus leitet sich wahrscheinlich vom phönizischen abak her. Es bedeutet: Auf eine Fläche gestreuter Sand zum Schreiben. Es fällt schwer, den genauen Ursprung festzulegen. Man vermutet ihn im Zentralasiatischen Kulturraum. Es gibt aber auch Quellen, denen zufolge er in Madagaskar entstanden ist. Beim Zählen von Soldaten wurden Furchen auf dem Boden gezogen und mit Kieselsteinen gefüllt. (1)

Rechnen auf Linien ist übrigens auch ein Verfahren, über das Adam Ries um 1520 zwei Bücher veröffentlichte.

In Europa wurde der Abakus von den Griechen und Römern bis etwa ins 16. Jahrhundert benutzt. Mitte des 17. Jahrhunderts verdrängten mechanische Rechenmaschinen den Abakus, so dass er in Europa nur noch als Kinderspielzeug angesehen wurde. In Gebrauch war er weiterhin als Rechenhilfsmittel für Blinde. Im Osten dagegen, vom Balkan bis nach China, wird er bis heute als preiswerte Rechenmaschine bei kleinen Geschäften verwendet. (3)

 

Es gibt verschiedene Abakus-Typen:

tl_files/images/roemischer-abakus.jpgBeim römischen Abakus handelt es sich um ein Rechenbrett, manchmal auch fest auf einem Tisch integriert. Jede Querspalte steht für eine Zehnerpotenz. Um eine Zahl darzustellen, wird die Anzahl der jeweiligen Einheiten durch entsprechend viele Steinchen oder Münzen ausgedrückt. Eine Markierung im oberen Teil steht für die Hälfte der nächsthöheren Ordnung. Rechts ist ein alter römischer Taschenabakus zu sehen, bestehend aus einer Metallplatte mit parallel angeordneten Schlitzen und darin verschiebbaren Knöpfen. (1)

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Der russische stschoty besteht aus waagerechten Stäben mit jeweils 10 Kugeln. Zur besseren Übersicht haben die 5. und 6. Kugel in der Mitte verschiedene Farben. Die vier Perlen in der vierten Reihe standen ursprünglich jeweils für einen "Viertel Rubel" bzw. 25 Kopeken. Obwohl es den "Viertel Rubel" heutzutage nicht mehr gibt, findet man diese Reihe auch noch auf den neuesten Modellen - sie ist ein Merkmal des Stschoty. Die vier Perlen werden in der Praxis zumeist als Komma verwendet oder überhaupt nicht mehr benutzt. (4)

 

 

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Der heutige chinesische Abakus heißt suan-pan, in einem südlichen Dialekt auch soo-pan. Er besteht aus Stäben mit jeweils 5 Perlen unten und 2 Perlen oben in einem festen Rahmen. Er wurde erstmals im 11./12. Jh. n. Chr. erwähnt. (2)(3)

 

tl_files/images/soroban.jpgDer japanische Soroban ist eine Weiterentwicklung des suan pan. Charakteristisch sind seine Perlen in Doppelkegel-Form. Während der Suanpan in China schon im 14. Jahrhundert zum Alltag gehörte, verbreitete sich der Soroban in Japan erst seit dem 16. Jahrhundert. Rechenkünstler wie Mori Shigeyoshi und Rechenbuchautoren wie Yoshida Mitsuyoshi machten ihn zu Beginn der Edo-Zeit populär. Der Soroban blieb bis ins 19. Jahrhundert ein unverzichtbares Rechenhilfsmittel für Schule und Beruf. Erst die Schulreformen zu Beginn der Meiji-Zeit, die westliche Rechentechniken forcierten, konnten ihn kurzzeitig verdrängen. Seit den 1920er Jahren erlebt er allerdings in der vereinfachten Form mit 4 + 1 Perlen eine Renaissance. (2)(3)

tl_files/img_historisch/soroban-histo.jpgtl_files/img_historisch/soroban-histo2.jpgtl_files/images/yoshida_soroban.jpg

Quellen:

(1) Der Abakus: Geschichte und Funktionsweise, Facharbeit im Fach Mathematik, Benjamin Wrightson, 18.12.1996

(2) Takashi Kojima: The Japanese Abacus – Its Use and Theory, 1999, ISBN 0-8048-0278-5

(3) Wikipedia

(4) Ehrlich, Mike, www.stschoty.com